3 Erste Schritte mit Linux
3 Erste Schritte mit Linux
Lernziele
-
Einfache Funktionen von Linux ausprobieren
-
Dateien mit einem Texteditor anlegen und ändern können
Vorkenntnisse
- Grundlegende Computerkenntnisse mit anderen Betriebssystemen sind nützlich
3.1 Anmelden und Abmelden
Das Linux-System unterscheidet zwischen verschiedenen Benutzern. Deshalb können Sie nach dem Einschalten des Rechners nicht sofort loslegen. Zunächst müssen Sie dem Rechner mitteilen, wer Sie sind, indem Sie sich anmelden (oder, neudeutsch, „einloggen”). Anhand dieser Information kann das System festlegen, welche Berechtigungen Sie haben. Natürlich benötigen Sie eine Zugangsberechtigung zum System – der Systemverwalter muss Sie als Benutzer eingetragen und Ihnen einen Benutzernamen (zum Beispiel „hugo”) sowie ein Kennwort (zum Beispiel „geheim”) zugeordnet haben. Das Kennwort soll sicherstellen, dass nur Sie diese Zugangsberechtigung nutzen können. Sie müssen es geheim halten und sollten es niemandem zugänglich machen. Denn wer Ihren Benutzernamen und Ihr Kennwort kennt, kann sich gegenüber dem System als Sie ausgeben, alle Ihre Dateien lesen (oder löschen), in Ihrem Namen elektronische Post verschicken und alle möglichen anderen Arten von Schindluder treiben.
💡 Modernere Linux-Distributionen möchten es Ihnen leicht machen und erlauben es, auf einem Rechner, den nur Sie benutzen, den Anmeldevorgang zu überspringen. Wenn Sie ein solches System verwenden, müssen Sie sich nicht explizit anmelden, sondern der Rechner startet direkt in Ihre Benutzersitzung. Das sollten Sie natürlich nur ausnutzen, wenn Sie nicht damit rechnen müssen, dass Dritte Zugang zu Ihrem Rechner haben. Verkneifen Sie sich das vor allem bei Notebooks und anderen mobilen Systemen, die gerne mal verloren gehen oder gestohlen werden.
Anmeldung in einer grafischen Umgebung
Linux-Arbeitsplatzrechner bieten heutzutage selbstverständlich eine grafische Umgebung und auch der Anmeldevorgang findet normalerweise auf dem Grafikbildschirm statt. Ihr Rechner präsentiert Ihnen einen Dialog, in den Sie Ihren Benutzernamen und Ihr Kennwort eingeben können.
💡 Wundern Sie sich nicht, wenn Sie beim Eingeben Ihres Kennworts nur Sternchen oder Punkte sehen. Das bedeutet nicht, dass Ihr Rechner Ihre Eingabe nicht versteht, sondern dass er es anderen erschweren möchte, Ihr Kennwort zu erhaschen, während Sie es eingeben.
Nach dem Anmelden baut Ihr Rechner eine grafische Sitzung für Sie auf. Über Menüs und Icons (Symbole auf dem Bildschirmhintergrund) erhalten Sie bequemen Zugang zu Ihren Anwendungsprogrammen. Die meisten grafischen Umgebungen für Linux unterstützen eine „Sitzungsverwaltung“, die dafür sorgt, dass beim Anmelden der Zustand Ihrer Sitzung wiederhergestellt wird, wie er beim letzten Abmelden war. So müssen Sie sich nicht merken, welche Programme Sie geöffnet hatten, wo deren Fenster auf dem Bildschirm platziert waren und welche Dateien Sie gerade bearbeitet haben.
Abmelden in einer grafischen Umgebung
Wenn Sie mit der Arbeit fertig sind oder den Rechner für einen anderen Benutzer freimachen möchten, müssen Sie sich abmelden. Das ist auch wichtig, damit die Sitzungsverwaltung Ihre aktuelle Sitzung für das nächste Mal speichern kann. Wie das Abmelden im Detail funktioniert, hängt von Ihrer grafischen Umgebung ab. In der Regel gibt es jedoch irgendwo einen Menüeintrag, der den Vorgang für Sie erledigt. Konsultieren Sie im Zweifel die Dokumentation oder fragen Sie Ihren Systemadministrator (oder einen gut informierten Bekannten).
Anmeldung auf der Textkonsole Im Gegensatz zu Arbeitsplatzrechnern haben Serversysteme oft nur eine Textkonsole. Außerdem stehen sie in zugigen, lauten Rechnerräumen, in denen man sich nicht länger als nötig aufhalten möchte. Daher meldet man sich lieber über das Netz an, um auf dem Rechner zu arbeiten. In beiden Fällen erscheint kein grafischer Anmeldebildschirm, sondern der Rechner fragt Sie direkt nach Ihrem Benutzernamen und Kennwort. Zum Beispiel könnten Sie etwas wie
rechner login: _
(wenn wir mal annehmen, dass der betreffende Rechner ”rechner“ heißt). Hier müssen Sie Ihren Benutzernamen eingeben und mit der Eingabetaste abschließen.
Daraufhin erscheint in ähnlicher Form die Frage nach dem Kennwort:
Password: _
Hier müssen Sie Ihr Kennwort eingeben. Normalerweise erscheinen hier nicht einmal Sternchen, sondern gar nichts. Wenn Sie sowohl Benutzername als auch Kennwort korrekt angegeben haben, sollte das System die Anmeldung akzeptieren. Anschließend wird der Kommandozeileninterpreter (die Shell) gestartet und Sie können über die Tastatur Kommandos eingeben und Programme aufrufen. Nach der Anmeldung befinden Sie sich automatisch in Ihrem „Heimatverzeichnis“, in dem Sie Ihre Dateien finden können.
Wenn Sie zum Beispiel die „Secure Shell“ verwenden, um sich auf einem anderen Rechner über das Netz anzumelden, entfällt in der Regel die Frage nach Ihrem Benutzernamen. Das System geht nämlich davon aus, dass Sie auf dem entfernten Rechner denselben Benutzernamen haben wie auf dem Rechner, von dem aus Sie die Sitzung aufbauen, sofern Sie nichts anderes angeben. Die Details würden hier aber zu weit führen. Die Secure Shell wird in der Schulungsunterlage „Linux-Administration II“ der Linux-Front-Schulungsunterlage ausführlich besprochen.
Abmelden auf der Textkonsole: Auf der Textkonsole können Sie sich zum Beispiel mit dem Befehl „logout“ abmelden.
$ logout
Nach dem Abmelden zeigt das System auf einer Textkonsole wieder die Startmeldung und eine Anmeldeaufforderung für den nächsten Benutzer. Bei einer Sitzung mit der „Secure Shell“ über das Netzwerk erhalten Sie einfach die Eingabeaufforderung Ihres lokalen Rechners.
Übungen
✏️ 3.1 [!1] Melden Sie sich zunächst beim System an. Melden Sie sich anschließend wieder ab. Die Dokumentation Ihres Systems oder Ihr Trainer/Lehrer verrät Ihnen einen Benutzernamen und ein Kennwort.
✏️ 3.2 [!2] Was passiert, wenn Sie (a) einen nicht existierenden Benutzernamen eingeben oder (b) ein falsches Kennwort angeben? Fällt Ihnen etwas auf? Was könnte der Grund dafür sein, dass das System sich so verhält?
3.2 Arbeitsumgebung und Browser
3.2.1 Grafische Arbeitsumgebungen
Wenn Sie sich in einer grafischen Umgebung angemeldet haben, präsentiert Ihnen Ihr Linux-Rechner eine Oberfläche, die sich nicht stark von dem unterscheidet, was Sie von anderen modernen Computern gewohnt sind.
💡 Leider ist es uns nicht möglich, hier spezifischer zu werden, da „Linux” nicht gleich „Linux” ist. Im Gegensatz zu Systemen wie Windows oder dem Macintosh-Betriebssystem, bei denen eine bestimmte grafische Oberfläche fest zum System gehört, gibt es bei Linux Auswahl: Bei der Installation des Systems können Sie sich bei den meisten großen Distributionen eine von mehreren grafischen Benutzeroberflächen aussuchen.
-
KDE und GNOME sind „Arbeitsumgebungen” (auch „Desktops” genannt), die eine möglichst umfassende Auswahl an Anwendungen bereitstellen, die ähnlich aussehen und sich ähnlich verhalten. Das Ziel besteht darin, eine vergleichbare Benutzererfahrung wie bei proprietären Systemen zu bieten oder diese sogar zu übertreffen. Deshalb versuchen sie, innovative Eigenschaften wie die „semantische Suche“ von KDE zu integrieren. Diese indiziert Dateien und Dokumente im Hintergrund und soll den bequemen Zugriff auf „alle Fotos, die ich letzten Monat in Spanien aufgenommen habe“ ermöglichen, egal wo diese tatsächlich auf der Festplatte gespeichert sind1. Grob gesagt setzt KDE auf umfassende Einstellungs- und Konfigurationsmöglichkeiten für engagierte Benutzer, während GNOME seinen Benutzern im Interesse der Übersichtlichkeit und Bedienbarkeit tendenziell feste Vorgaben macht, die sich nur schwer oder gar nicht ändern lassen.
-
Die »leichtgewichtigen« Arbeitsumgebungen LXDE und XFCE sind ... In ihrem grundsätzlichen Ansatz ähneln sie KDE und GNOME, sind aber eher auf einen sparsamen Umgang mit den Systemressourcen ausgelegt und verzichten daher auf verschiedene aufwendige Dienste, wie etwa die semantische Suche.
-
Wenn Sie keine komplette Arbeitsumgebung wünschen, können Sie auch einen beliebigen Fenstermanager installieren und Anwendungsprogramme aus verschiedenen Quellen nutzen. Dann müssen Sie allerdings gewisse Abstriche bei der Einheitlichkeit und dem Zusammenwirken der Programme hinnehmen. Dies resultiert daraus, dass es historisch kaum Vorgaben für das Aussehen und das Verhalten von grafischen Programmen unter Unix und Linux gab. Früher, als KDE & Co. noch nicht in diesem Bereich Standards gesetzt hatten, war das der Normalfall. Heute nutzt jedoch die Mehrheit der Linux-Anwender eine der vorgefertigten Umgebungen.
💡 Selbst wenn zwei Distributionen dieselbe Grafikumgebung – etwa KDE – verwenden, bedeutet das nicht, dass die Darstellung auf dem Bildschirm bei beiden identisch ist. Die Grafikumgebungen erlauben normalerweise eine sehr umfangreiche Anpassung des optischen Erscheinungsbilds über „Themen” und Distributionen nutzen diese Möglichkeit gerne, um sich einen individuellen Anstrich zu geben. Vergleichen Sie es mit Autos: So gut wie alle Personenwagen haben vier Räder und eine Windschutzscheibe, aber Sie würden trotzdem nie einen BMW mit einem Citroën oder Ferrari verwechseln.
Typischerweise befindet sich am oberen oder unteren Bildschirmrand eine Leiste, die Ihnen über Menüeinträge Zugriff auf die wichtigsten Anwendungsprogramme gibt und die Ihnen außerdem die Möglichkeit bietet, sich abzumelden oder den Rechner kontrolliert auszuschalten. KDE setzt hier auf ein an Windows angelehntes „Panel“, bei dem ein „Startknopf“ (der allerdings nicht so heißt) ein Menü mit Programmen öffnet, während in der restlichen Leiste Icons für die aktuell laufenden Programme sowie Nützlichkeiten wie eine Uhr und der Netzwerkstatus zu sehen sind. GNOME verwendet keinen „Startknopf“, sondern verlegt die Menüleiste an den oberen Bildschirmrand. Die wichtigsten Programme sind über Aufklappmenüs im linken Teil der Leiste zugänglich, während der rechte Teil für Icons zum Systemstatus und Ähnliches reserviert ist.
In der Regel bieten die Grafikumgebungen auch einen „Dateimanager“, mit dem Sie auf Verzeichnisse („Ordner“) auf der Festplatte zugreifen und die darin enthaltenen Dateien und Unterverzeichnisse manipulieren können. Die Vorgehensweisen unterscheiden sich dabei kaum von denen anderer grafischer Systeme. Sie können Dateien kopieren oder verschieben, indem Sie sie von einem Verzeichnisfenster in ein anderes ziehen. Wenn Sie mit der rechten Maustaste auf das Icon einer Datei klicken, öffnet sich ein Kontextmenü mit weiteren Aktionen, die Sie auf die Datei anwenden können. Experimentieren Sie.
Häufig gebrauchte Dateien oder Programme können Sie in der Regel entweder auf dem Bildschirmhintergrund ablegen oder in einen bestimmten Bereich (ein „Dock”) kopieren, damit sie schnell zugänglich sind.
Eine nützliche Eigenschaft der meisten Linux-Grafikumgebungen, die bei OS X und Windows nicht oder zumindest nicht standardmäßig vorhanden ist, sind „virtuelle Arbeitsflächen” (Virtual Desktops). Diese vervielfachen den verfügbaren Platz auf dem Bildschirm, indem Sie bequem zwischen mehreren simulierten „Bildschirmen” hin- und herschalten können – jeder mit seiner eigenen Auswahl an Programmfenstern. So können Sie beispielsweise alles für die Arbeit an einem Programm oder Dokument auf einer Arbeitsfläche platzieren, eine andere für Ihr E-Mail-Programm und eine dritte für Ihren Webbrowser reservieren. Bei Bedarf können Sie dann schnell eine E-Mail lesen oder schreiben, ohne die Anordnung der Fenster auf Ihrem „Programmierbildschirm” ändern zu müssen.
3.2.2 Browser
Eines der wichtigsten Programme auf heutigen Computern ist der Webbrowser. Glücklicherweise sind die beliebtesten Browser Open-Source-Programme und Firefox oder Google Chrome stehen Ihnen für Linux genauso zur Verfügung wie für Windows oder macOS. (Ihre Distribution bietet Ihnen wahrscheinlich nicht Google Chrome, sondern die echte Open-Source-Variante „Chromium“ an, aber das ist kein großer Unterschied.) Suchen Sie im Menü für Anwendungsprogramme nach einem Eintrag wie „Internet“, wo Sie unter anderem einen Browser finden sollten.
💡 Aus markenrechtlichen Gründen heißt Firefox bei Debian GNU/Linux und diversen abgeleiteten Distributionen nicht „Firefox“, sondern „Iceweasel“ (ja, ja, ein geniales Wortspiel …). Das liegt daran, dass die Mozilla Foundation als „Hersteller“ von Firefox die Verbreitung von vorübersetzten Versionen des Browsers unter dem Namen „Firefox“ nur erlaubt, wenn der Programmcode mit der „offiziellen“ Version übereinstimmt. Da sich das Debian-Projekt einerseits vorbehält, zum Beispiel sicherheitsrelevante Probleme in eigener Regie zu beheben, und andererseits das Urheber- und Markenrecht sehr ernst nimmt, war ein anderer Name nötig. (Andere Distributionen bleiben entweder bei der offiziellen Version oder nehmen es mit dem Namen nicht so genau.)
3.2.3 Terminals und Shells
Selbst in einer grafischen Oberfläche ist es unter Linux oft nützlich, auf ein Terminalfenster zurückgreifen zu können, in dem Sie textuelle Kommandos in einer Shell eingeben können. Der Rest dieser Unterlage handelt vor allem von solchen Kommandos, weshalb Sie diese Funktion benötigen werden.
Glücklicherweise ist ein Terminalfenster bei den gängigen Linux-Arbeitsumgebungen nur wenige Mausklicks entfernt. Bei KDE auf Debian GNU/Linux finden Sie im Startmenü unter System den Eintrag Konsole (Terminal), über den Sie ein komfortables Programm öffnen können, in dem eine Shell läuft, die Textkommandos annimmt und ausführt. Für andere Arbeitsumgebungen und Distributionen gilt Ähnliches.
Übungen
✏️ 3.3 [!2] Welche Grafikumgebung ist auf Ihrem Rechner installiert – wenn überhaupt? Schauen Sie sich um. Öffnen Sie einen Dateimanager und klicken Sie mit der rechten Maustaste auf ein Icon für eine Datei oder ein Verzeichnis. Was passiert, wenn Sie mit der rechten Maustaste auf den freien Fensterhintergrund (zwischen den Icons) klicken? Wie können Sie eine Datei von einem Verzeichnis in ein anderes verschieben? Wie legen Sie eine neue Datei oder ein neues Verzeichnis an? Wie können Sie eine Datei umbenennen?
✏️ 3.4 [2] Welcher Webbrowser ist auf Ihrem Computer installiert? Gibt es vielleicht sogar mehrere? Rufen Sie die Browser testhalber auf und vergewissern Sie sich, dass sie funktionieren.
✏️ 3.5 [!2] Öffnen Sie ein Terminalfenster und schließen Sie es wieder. Unterstützt Ihr Terminalfenster-Programm mehrere Sitzungen im selben Fenster, beispielsweise über Unterfenster mit Karteireitern?
3.3 Textdateien anlegen und ändern
Egal, ob Sie Skripte oder Programme schreiben, als Systemadministrator Konfigurationsdateien bearbeiten oder einfach nur einen Einkaufszettel verfassen möchten: Linux läuft zur Höchstform auf, wenn es um das Bearbeiten von Textdateien geht. Eine Ihrer ersten „Amtshandlungen” als neuer Linux-Anwender sollte deshalb sein, zu lernen, wie Sie Textdateien anlegen und ändern können. Das Werkzeug der Wahl hierfür ist ein Texteditor.
Es gibt Texteditoren für Linux in allen Größen, Formen und Farben. Wir machen es uns an dieser Stelle einfach und erklären Ihnen die wichtigsten Eigenschaften von „GNU Nano”, einem simplen und für Einsteiger geeigneten Texteditor, der in einer Terminalsitzung läuft.
💡 In den gängigen Grafikumgebungen gibt es natürlich auch grafikorientierte Texteditoren mit Menüs, Werkzeugleisten und allem, was man so brauchen könnte. Diese sind vergleichbar mit Programmen wie „Notepad” unter Windows (oder besser). Suchen Sie zum Beispiel bei KDE nach „Kate” oder bei GNOME nach „Gedit”. Wir betrachten diese Texteditoren hier nicht im Detail, aus zwei Gründen:
-
Sie erklären sich im Wesentlichen selbst, und wir wollen Ihre Intelligenz nicht mehr als nötig beleidigen.
-
Nicht immer stehen Ihnen eine grafische Benutzeroberfläche zur Verfügung. Spätestens, wenn Sie mit der „Secure Shell” auf einem entfernten Rechner arbeiten oder als Systemadministrator irgendwo im Keller an der Maschinenkonsole stehen, haben Sie höchstwahrscheinlich nur eine Textoberfläche zur Verfügung.
Im Übrigen müssen Sie sich ja nicht jetzt für immer für einen Editor entscheiden. Niemand hält Sie davon ab, an Ihrem grafischen Arbeitsplatz-PC einen grafischen Editor zu verwenden und Nano nur zu benutzen, wenn es nicht anders geht.
💡 Linux-Fanatiker der alten Schule werden über etwas wie Nano verächtlich die Nase rümpfen. Das Werkzeug für den wahren Linux-Profi ist natürlich der vi, der als Unix-Urgestein aus einer Zeit stammt, in der grün schimmernde Textterminals das Nonplusultra waren und in der es noch nicht einmal selbstverständlich war, dass es Pfeiltasten auf der Tastatur gab. Wenn Sie eine Karriere als Systemadministrator anstreben, sollten Sie sich früher oder später mit dem Vi befassen, zumindest auf elementarer Ebene. Der Vi ist der einzige benutzbare Editor, der auf praktisch jeder Linux- oder Unix-Version in weitgehend identischer Form vorliegt. Aber dieser Zeitpunkt ist nicht jetzt.
Bild 3.1: Der Editor GNU Nano
GNU Nano ist ein „Klon” des einfachen Editors pico, der Teil des E-Mail-Pakets PINE war. Da PINE keine freie Software im Sinne der gängigen Definitionen war, hat das GNU-Projekt den Editor von Grund auf nachprogrammiert. Inzwischen steht der Nachfolger von PINE unter dem Namen „Alpine” als freie Software zur Verfügung und enthält auch eine freie Version von Pico. Die meisten Distributionen sollten entweder GNU Nano oder Pico anbieten. Wir beschränken uns im Rest dieses Abschnitts der Einfachheit halber auf GNU Nano. Praktisch alles, was wir hier sagen, gilt auch für pico.
💡 GNU Nano hat gegenüber dem ursprünglichen Pico einige Erweiterungen – was nicht überraschend sein sollte, denn schon der Name deutet auf eine deutlich bessere Leistung hin –, aber die meisten davon betreffen uns nicht wirklich. Auf den ersten Blick fällt nur eine augenfällige Neuerung auf: GNU Nano ist „internationalisiert“ und sollte Sie auf einem ansonsten auf „deutsch“ eingestellten System mit deutschen Meldungen und Erklärungen begrüßen.
Am bequemsten starten Sie GNU Nano in einem Terminalfenster (Abschnitt 3.2.2). mit einem Kommando wie
$ nano meinedatei
(Das „$” ist hier nur eine stilisierte Abkürzung für die Eingabeaufforderung, die bei Ihnen vielleicht etwas anders aussieht. Sie müssen es nicht eintippen. Vergessen Sie aber nicht, das Kommando mit ↩ zu beenden! Anschließend sollten Sie etwas Ähnliches wie Bild 3.1 sehen, also ein weitgehend leeres Fenster mit einer hervorgehobenen Zeile oben und zwei „Hilfezeilen” unten, die wichtige Kommandos mit kurzen Erklärungen auflisten. Die Zeile direkt über den Hilfezeilen ist die Statuszeile, in der Meldungen von Nano erscheinen und in die Sie zum Beispiel Dateinamen zum Speichern eingeben können.
💡 Wenn Sie mehr Platz auf dem Bildschirm nutzen möchten, können Sie die Hilfezeilen mit der Tastenkombination „Alt + X” ausblenden. Halten Sie dazu die Taste „Alt” (auf der Tastatur links von der Leertaste) gedrückt und drücken Sie gleichzeitig „X”. Ein weiteres Drücken von Alt + x blendet sie wieder ein. Wenn Sie noch mehr Platz benötigen, können Sie mit Alt + O auch die Leerzeile direkt unterhalb der obersten Bildschirmzeile ausblenden.
- Text eingeben und ändern
Um neuen Text einzugeben, können Sie im Nano-Fenster einfach losschreiben. Sollten Sie sich einmal verschrieben haben, löscht die Backspace-Taste das Zeichen links von der Schreibmarke (Cursor). Verwenden Sie die Pfeiltasten, um im Text herumzufahren und zum Beispiel weiter vorne etwas zu ändern. Wenn Sie etwas Neues eingeben, wird es genau an der Stelle eingesetzt, an der sich der Cursor befindet. Die Entf-Taste löscht das Zeichen unter dem Cursor und lässt den Rest der Zeile (falls vorhanden) um eine Position nach links rücken. Alles eigentlich ziemlich offensichtlich.
💡 Manche Nano-Versionen unterstützen sogar die Maus, so dass Sie – vorausgesetzt, Sie haben Nano auf einem grafischen Bildschirm laufen oder Ihre Textumgebung kann mit einer Maus umgehen – auf eine Stelle im Text klicken können, um den Cursor dort zu platzieren. Es kann sein, dass Sie die "Maus-Unterstützung separat aktivieren müssen, indem Sie Alt + m drücken.
- Text speichern
Wenn Sie mit dem Eingeben oder Bearbeiten Ihres Textes fertig sind, können Sie ihn speichern, indem Sie die Tastenkombination „Strg + O” drücken. Nano fragt Sie anschließend in der Statuszeile nach einem Namen für die Datei. Diesen können Sie eingeben und mit der Enter-Taste beenden. (Über Dateinamen erfahren Sie in Kapitel 6 mehr.) Nano speichert den Text dann in der benannten Datei.
- Nano beenden
Sie können Nano mit Strg + x verlassen. Wenn Ihr Text ungespeicherte Änderungen enthält, fragt Nano Sie, ob der Text gespeichert werden soll. Antworten Sie mit „j”, wenn Sie das möchten (Nano fragt Sie dann gegebenenfalls nach einem Dateinamen zum Speichern). Antworten Sie mit „n”, um Nano sofort zu verlassen (wobei Ihre ungespeicherten Änderungen dann verloren gehen).
- Dateien einlesen
Sie können eine andere (bereits vorhandene) Datei mit Strg + R in Ihren aktuellen Text einlesen. Sie wird dann an der Cursorposition eingefügt. Nano fragt Sie nach dem Namen der gewünschten Datei. Sie können den Namen entweder direkt eintippen oder mit Strg + t den „Dateibrowser” öffnen. Dieser erlaubt Ihnen eine interaktive Auswahl unter den vorhandenen Dateien. Das funktioniert übrigens auch beim Speichern mit Strg + o.
- Ausschneiden und Einfügen
Mit der Tastenkombination Strg + k können Sie die Zeile, in der sich der Cursor befindet, ausschneiden und in einem Puffer ablegen. Achtung: Es wird immer die komplette Zeile ausgeschnitten, unabhängig davon, an welcher Stelle sich der Cursor tatsächlich befindet. Mit Strg + U können Sie den Inhalt des Puffers wieder einfügen – entweder an derselben Stelle, wenn Sie versehentlich Strg + K gedrückt haben oder die Zeile nur kopieren und nicht verschieben möchten, oder auch an einer anderen Stelle im Text.
💡 Das Einfügen erfolgt immer an der Cursorposition. Steht der Cursor also mitten in einer Zeile und Sie drücken Strg + u, wird die Zeile aus dem Puffer zum rechten Teil jener Zeile und das, was in der ursprünglichen Zeile rechts vom Cursor stand, wird zu einer neuen Zeile.
Sie können auch mehrere aufeinanderfolgende Zeilen in den Puffer laden, indem Sie mehrmals hintereinander die Tastenkombination Strg + k drücken. Diese Zeilen werden dann ebenfalls en bloc wieder eingefügt.
Wenn Sie nur einen Teil einer Zeile ausschneiden möchten, positionieren Sie den Cursor an die entsprechende Stelle und drücken Alt + A. Eigentlich ist hierfür die Kombination Strg + ^ vorgesehen, aber deutsche Tastaturen, die nach einem „^” ein Zeichen erwarten, das mit einem Zirkonflex versehen werden soll, machen hierbei Probleme. Navigieren Sie anschließend mit dem Cursor ans Ende des auszuschneidenden Bereichs. Nano zeigt Ihnen an, welchen Teil des Texts Sie markiert haben. Schneiden Sie den Bereich mit Strg + k aus und legen Sie ihn im Puffer ab. Beachten Sie dabei, dass das Zeichen unter dem Cursor dann nicht mehr ausgeschnitten wird. Danach können Sie den Pufferinhalt wie gewohnt mit Strg + U wieder irgendwo einfügen.
- Text suchen
Wenn Sie die Tastenkombination „Strg + w” eingeben, fragt Nano Sie in der Statuszeile nach einem Textstück. Anschließend springt der Cursor an die nächste Stelle in Ihrem Text, an der dieses Textstück auftritt. So können Sie gezielt bestimmte Stellen im Text ansteuern.
- Onlinehilfe
Mit der Tastenkombination Strg + g können Sie die Nano-interne Hilfe aufrufen. Diese erklärt Ihnen die Grundlagen des Editors und diverse Tastenbefehle (es gibt einige mehr, als wir hier erläutert haben). Mit Strg + x verlassen Sie die Hilfe wieder.
Damit kennen Sie nun die wichtigsten Eigenschaften von GNU Nano. Übung macht den Meister – probieren Sie also ungeniert herum, Sie können nichts kaputtmachen.
💡 Noch einmal zurück zum Thema vi (Sie erinnern sich – der Editor der Linux-Gurus). Wenn Sie Lust auf ein Abenteuer haben, stellen Sie sicher, dass auf Ihrem System der Editor Vim installiert ist (heutzutage die gängige vi-Implementierung; den ursprünglichen vi aus BSD benutzt unter Linux praktisch niemand). Rufen Sie dann das Kommando vimtutor auf und verbringen Sie eine spannende und lehrreiche halbe Stunde mit der interaktiven Vim-Einführung. (Es kann sein, dass Sie vimtutor als separates Paket installieren müssen. Fragen Sie notfalls Ihren Systemadministrator oder jemanden, der sich auskennt.)
Übungen
✏️ 3.6 [!2] Starten Sie GNU Nano und geben Sie einen einfachen Text ein, zum Beispiel:
Rosen sind rot, Veilchen sind blau, Linux ist super,
das weiß ich genau.
Speichern Sie diesen Text als Datei mit dem Namen „rosen.txt”.
✏️ 3.7 [2] Schneiden Sie die Zeile aus dem Text der vorigen Aufgabe aus.
Linux ist super,
und kopieren Sie sie dreimal zurück, so dass der Text jetzt aussieht wie
Rosen sind rot, Veilchen sind blau, Linux ist super, Linux ist super, Linux ist super, das weiß ich genau.
Positionieren Sie anschließend den Cursor auf dem „i” von „ist” in der ersten Zeile, markieren Sie diese Position und navigieren Sie dann zum „i” von „ist” in der dritten Zeile. Entfernen Sie anschließend den markierten Bereich.
3.4 Kommandos in diesem Kapitel
| Kommando | Beschreibung | manpage |
|---|---|---|
| logout | Beendet eine Sitzung (”Abmelden“) bash | (1) 53 |
| pico | Sehr einfacher Texteditor aus dem PINE/Alpine-Paket | pico(1) |
| vi | Bildschirmorientierter Texteditor | vi(1) |
3.5 Zusammenfassung
-
Vor dem Benutzen eines Linux-Rechners müssen Sie sich (meistens) mit Benutzername und Kennwort anmelden und hinterher wieder abmelden.
-
Linux bietet verschiedene Grafikumgebungen an, die zum größten Teil ähnlich und ziemlich intuitiv funktionieren.
-
In einem Terminalfenster können Sie in einer Grafikumgebung textuelle Shell-Kommandos eingeben.
-
GNU Nano ist ein einfacher Texteditor.
-
Microsoft hat uns das schon ein paarmal versprochen, aber immer wieder abgekündigt. ↩